Donnerstag (13. August) nach Feierabend trafen sich die gutgelaunten Teilnehmer des diesjährigen Jurasued Biker Clubweekend in Boningen. Bikes sauber, Ketten geschmiert und Bremsbeläge mehrheitlich kontrolliert – dazu später mehr. Die Hinfahrt via Luzern, Andermatt über den Oberalp-Pass verlief sehr flüssig (Verkehr) und wir trafen um 20.30 Uhr im Catrina Resort in Disentis ein.

Ja, auch eine Hinfahrt mit dem Auto kann sehr hungrig und durstig machen. Noch bevor wir unsere geliebten Bikes oder Taschen ausgeladen haben, sassen wir bereits an einem Tisch in der hoteleigenen Pizzeria und studierten deren Speisekarte. Ein laues Lüftchen wehte und liess die Temperatur hier Oben (am Abend) ein bisschen angenehmer erscheinen. Herrlich duftende Pizzas und goldener Gerstensaft liessen langsam den Abend ausklingen. Ohhh herrje, wir mussten ja noch unser Gepäck aus den Autos holen und die Zimmer beziehen. Klappte alles perfekt, nur die Temperatur in den modernen, rustikalen Zimmer war für Einige schon schweisstreibend genug um einen Hinweis zu bekommen was die nächsten Tage (auf dem Bike) wohl bringen würden…

Nach einer mehr oder weniger ereignisarmen Nacht für diejenigen die schlafen konnten, gab es um 08.00 Uhr bereits den ersten Höhepunkt. Ein wundervolles Frühstücksbuffet mit allem was das Herz begehrt. Reinhauen war das Motto, da wir ja wussten, dass es danach nur noch uns, unsere Bikes und die schöne Natur der Bündner Berge geben würde. Nein – ganz so schlimm aus Sicht der fahrerischen Fähigkeiten war es nicht, denn die erste Herausforderung war das „korrekte“ Ticket zu bekommen/kaufen und es auch irgendwo auf dem Handy wieder zu finden! War das Ticket nun in der initialen eMail oder als PDF/Anhang gespeichert oder doch bereits in der Wallet-App? Fragen über Fragen die uns während dem ganzen Aufenthalt hier Oben immer wieder beschäftigen würden…

Nach einer „lockeren“ Gondelfahrt die uns die ersten 600 Höhenmeter schenkte, stiegen wir auf unsere Bikes und rollten los. Ja was soll ich sagen/schreiben. Die erste Stunde verbrachten wir gefühlt mehr am Bike „stossen“ und „wandern“ vom berühmten Flow war weit und breit (noch) nichts zu spüren. Ja sogar die erste Schrecksekunde mussten wir über uns ergehen lassen. Michi hatte zum Glück die Schutzengel gut gepolstert im Rucksack dabei als er hangseitig abrutschte und drei Rollen seitwärts weiter unten im Tal ein „alles OK“ rausquetschte. Puhhh, das hätte an einer anderen Stelle auch ins Auge gehen können. Ich kann es vorwegnehmen, weitere (Ab-)Stürze gab es zum Glück nicht mehr!

Erstes Ziel das wir erreichten war dann der Gipfel „Bostg“ auf 1995 MüM. Geile 360 Grad Rundumsicht und die Abfahrt nach Sedrun standen uns bevor. Ja auch diese Bündner Trails haben ihre Herausforderungen und schärften unsere Zeigefinger an Lenker und Bremse.

Perfekt getimt standen wir schon bald am Bahnhof in Sedrun um nur ein paar Minuten später die Bahn die uns zum Oberalp-Pass bringen wird zu betreten. Und jetzt kommt der „Runing Gag“ wieder ins Spiel, denn die Zugbegleiterin machte uns höflich darauf aufmerksam, dass unser Ticket leider genau diese Bahnfahrt – genauer gesagt unsere Bikes nicht abdeckt. 3 Stunden vorher an der Rezeption und beim Gondeli hat das noch ganz anders getönt. Nein, alles inbegriffen – ihr könnt nun 7 Tage alle Bergbahnen „gratis“ benützen mit den zusätzlichen CHF 20.- die wir bezahlt haben. Ja, Bergbahnen (Gondeli) scheinen tatsächlich inbegriffen zu sein und auch wir als Person im Zug aber nicht unsere Bikes im Zug! Wer hat hier noch den Durchblick? Nachdem wir also auch ein Ticket für unsere Bikes gelöst hatten sind wir ein paar Minuten später auf dem Oberalp-Pass angekommen. Mittagshitze 12 Uhr (High Noon) bereits angebrochen und der Durst/Hunger machte sich auch bemerkbar.

Kurzer Stop beim Restaurant (Cola, Nussgipfel) um den Durst zu tilgen sowie allenfalls das Kaloriendefizit wieder auszugleichen. Weiterfahrt und nächste Trails waren schon in Sicht. Hier als Randbemerkung noch zu erwähnen. Es gibt tatsächlich auch begeisterte Biker*innen die sich auf einem Tandem an einen Trail wagen. Und ich meine hier nicht einen geshapten Trail mit grossradigen Murmelbahn-Kurven. Die sind tatsächlich vor uns in einen „technischen“ Enduro-Trail eingebogen – Chapeau!

Kurze Erholung bei einem Asphaltaufstieg für unsere Zeigefinger und Bremsscheiben um schon bald wieder in die nächste Trailpassage nach Tschamut einzubiegen. Ein langezogener Trail markant in der nördlichen Bergflanke forderte schon wieder höchste Aufmerksamkeit für die Jurasued Biker.

Ein stetiges Rauf und Runter begleitete uns danach um das nächste Ziel zu erreichen. Den besten Streuselkuchen in der Region Surselva auf der Alphütte Las Palas. Und ja es wurde nicht zuviel versprochen. Dieser mit viel Liebe selbstgemachte Streuselkuchen war super lecker und ist wärmstens zu empfehlen.

Langsam machte sich die schon fortgeschrittene Zeit bemerkbar und wir mussten ein bisschen aufs Gaspedal drücken. Eine kurze Abfahrt via „normale“ Strasse brachte uns aber fast punktgenau auf die letzte Gondel in Sedrun um nochmals ein paar Höhenmeter „frei Haus“ zu bekommen. Doch der höchste Punkt an diesem Clubweekend mussten wir uns dann schon nochmals selber erkämpfen. Auf über 2300 MüM konnten wir nochmals die spektakuläre Bündner Bergwelt geniessen und zum Flowtrail Caischavedra runterschauen.

Via Trail-/ Wanderweg zum Dorf Segnas und weiter nach Disentis haben wir dann nach über 50 Kilometern und 3400 Höhenmetern (inkl. Gondeli) unser Catrina Resort müde und abgekämpft wieder erreicht. Nach einer ausgiebigen Dusche und einem feinen Nachtessen mit abschliessendem Dessert gab es dann die verdiente Nachtruhe.

Zweiter Tag und zweites Frühstück um 08.00 Uhr. Gewisse Muskelgruppen haben zum Teil schon Spuren hinterlassen und wir beschlossen es heute ein bisschen gemächlicher anzugehen. Was aber nicht heisst, dass es ein Spaziergang werden wird. Leider wurde es dann für eine Mitglied doch zu einem Spaziergang im wahrsten Sinn des Wortes. Der Vortag mit etlichen Tiefenmetern schien bei ihm die Bremsbeläge wie Schnee an der Frühlingssonne schmelzen zu lassen. Das Fazit – am höchsten Punkt der Tour, die Hinterradbremse quittierte den Dienst komplett und „laufen“ war angesagt.

Nein, diese Fotos stammen vor dem Missgeschick mit der Hinterradbremse. Wir mussten tatsächlich einen Bergbach überqueren der zum Glück bei den jetzigen Bedingungen relativ wenig Wasser mitführte und alle mit trockenen Füssen/Schuhen auf die andere Seite brachte.

Bremsprobleme mit anschliessender Laufpartie bezeugt das untenstehende Foto. Wir haben uns dann entschieden, dass wir getreu dem Motto: „Einer für Alle – Alle für Einen“ handeln und die Tour abbrechen und zurück zum Catrina laufen/fahren. Natürlich sind wir nicht den ganzen Weg gelaufen, da der besagte Biker ja noch eine intakte Vorderradbremse hatte. Aber ab einer gewissen Steilheit nur mit der Vorderradbremse auf lockerem Untergrund zu fahren, wollten wir nicht riskieren.

So waren wir relativ zeitig wieder zurück und konnten dank diesem Malheur die Abteilung Wellness des Catrina Resort testen. Ja auch dieses Jahr haben wir wieder vieles gemeinsam erlebt und werden wohl noch eine Zeit lang über das Erlebte ein paar Sprüche klopfen können.

Danke für die gemeinsame, tolle Zeit in Disentis auf und neben dem Bike. Ich freue mich schon auf das Clubweekend im 2027.